Heutige Andacht 310
Fürsten wie Schnee
Ihre Fürsten waren reiner denn der Schnee und klarer denn Milch; ihre Gestalt war rötlicher denn Korallen; ihr Ansehen war wie Saphir.
Klagelieder 4:7 (LUT)
Jeremia erinnert, was die Fürsten waren: reiner denn der Schnee, klarer denn Milch, rötlicher denn Korallen, ihr Ansehen wie Saphir. Gedächtnis der Herrlichkeit in Zeit der Asche. Klagelieder bewahrt Porträts des Glanzes, um den Fall zu messen. Zu erinnern, was wir waren, schmerzt und lehrt zugleich.
Die Weiße spricht von verlorener Reinheit; der Glanz von erloschener Herrlichkeit. Fürsten, geschaffen, Gott zu spiegeln, endeten als Spiegel der Ruinen. Gedächtnis ohne Buße wird Folter; mit Buße wird es Wegkarte zurück. Gott erlaubt die Erinnerung an Eden, um Hunger nach Rückkehr zu wecken. Heiliges Heimweh ist Kompaß.
Doch das Gedächtnis klagt auch an: äußerer Glanz ohne innere Furcht birst beim ersten Druck. Scheinbare Saphire bargen gemeinen Ton. Die Gefangenschaft offenbarte das wahre Material. Gott will lieber schlichte, lautere Gefäße als glänzende, hohle Fürsten. Charakter trägt, was Kosmetik nicht hält.
Heute ehre das Gedächtnis, ohne darin zu wohnen. Danke für die Schneetage, tue Buße für die Schlammtage, baue die Tage wahrer Herrlichkeit wieder. Gefallene Fürsten können gewaschen aufstehen. Dieselbe Hand, die den Fall verzeichnete, schreibt die Wiederherstellung für den, der umkehrt.
Und gedenke mit Hoffnung: vergangene Schneen künden künftige Reinen an. Gedenke heute.